
Özlem Zenker (2. re) stellt Ekin Deligöz (re) die Lerngruppe im Bürgerhaus Miteinander vor. Mit anwesend die Stadträte Regina Georg und Karl-Heinz Brauner.
Foto: Dieterle + Partner

Als „eines der gelungensten Projekte der vergangenen Jahre in Deutschland“ hat die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Ekin Deligöz, das Bund-Land-Förderprogramm Soziale Stadt bewertet. Ein besonders erfolgreiches Beispiel ist nach ihrer Überzeugung die Soziale Stadt Rosenheim. Bei einer Gesprächsrunde auf Anregung der Abgeordneten informierte sich Ekin Deligöz über das Konzept Soziale Stadt Rosenheim – in ihren Augen ein Beispiel dafür, wie das Förderprogramm mit Leben erfüllt wird und nachhaltig Wirkung zeigen kann.
Rosenheim – Über 1000 Projekte in zwölf Jahren hat die
Soziale Stadt Rosenheim nach Angaben von Leiterin Britta Schätzel realisiert –
eine stolze Bilanz, zumal die daraus resultierende Entwicklung der Stadtteile
bis heute nachhaltig Wirkung zeige. Ein Beispiel dieser Nachhaltigkeit lieferte
der Ort der Gesprächsrunde mit Vertretern aus den Maßnahmen der Sozialen Stadt:
Das Treffen fand auf Einladung des Bürgerhauskoordinators Christian Hlatky im Bürgerhaus
Miteinander statt, das in erster Linie durch Fördermittel des Programms ausgebaut
wurde. In der Lessingstraße ist dank aktiver Mitwirkung der Bürgerschaft ein lebendiger
Treffpunkt für die Bewohner des Stadtteils entstanden – mit eigenen Kultur- und
Bildungsprogrammen sowie integrierter Freiwilligenagentur, die die Projekte
koordiniert.
Bildungsförderung im Mittelpunkt
Im Mittelpunkt der Rosenheimer Sozialen Stadt stand stets das Thema Bildung – nach Ansicht der anwesenden Projektleiter, das A und O bei der Überwindung sozialer Schieflagen. Emine Candir stellte beispielhaft Fördermaßnahmen für Kinder und Frauen mit Migrationshintergrund vor, Özlem Zenker informierte über Lerngruppen in den Bürgerhäusern, die Kindern aller Altersgruppen Nachhilfe und gezielte Förderung bieten. Seit zwei Jahren arbeitet die „Soziale Stadt“ in diesem Zusammenhang eng mit der DITB-Moschee in Rosenheim zusammen. Dieses Miteinander ist ebenfalls das Ergebnis eines Projektes im Rahmen der „Sozialen Stadt“: Nach einem mit dem Integrationspreis Oberbayern ausgezeichneten Theatervorhaben, bei dem christliche und muslimische Kinder gemeinsam die Geschichte der Arche Noah erarbeitet hatten, sind die neu entstandenen Kontakte weiter intensiviert worden, berichteten Senem Uzun, Aysel Konak und Metin Özyurt als Vertreter der DITB-Moschee. Gemeinsam hat ihr türkischer Kulturverein mit den Vertretern der Sozialen Stadt Sprach- und Schwimmkurse für Frauen entwickelt und Förderprojekte für Kinder, die ihnen einen Besuch einer weiterführenden Schule ermöglichen, ins Leben gerufen. Auch ein Unternehmensnetzwerk hat sich gegründet, das das gegenseitige Kennenlernen und die Zusammenarbeit fördert.
Neue Ideen braucht die Stadt: Nach diesem Motto wurden auch innovative Projekte wie ein orientalischer Partyservice ins Leben gerufen. Mikael Akül berichtete dem Gast aus Berlin, wie gut dieses Angebot ankommt. Mittlerweile werden sogar Räumlichkeiten und Mitarbeiter in Festanstellung gesucht. Der Cateringservice möchte vor allem Hausfrauen aus unterschiedlichen Nationen einbinden und auf Dauer sogar einen regelmäßigen Mittagstisch anbieten, hieß es.
Rosenheim Beispiel für gelebte Integration
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der
Grünen im Bundestag, Ekin Deligöz, würdigte die vorgestellten Beispiele als
gelebte Integration. Sie gelingt nach ihren Erfahrungen nicht überall. Als
Beispiel nannte die Politikern Projekte in ihrem Wahlkreis Ulm, die mangels
politischer Unterstützung wieder eingeschlafen seien. „Dann wird in der Regel
die Schuld bei den Migranten gesucht. Erfolge werden sozialisiert, Misserfolge
individualisiert“, ärgerte sie sich. Die Grünen fordern nach Angaben der
gebürtigen Türkin, die seit 1998 im Bundestag sitzt,deshalb ein verstärktes finanzielles
Engagement für die Bildung und die Integrationsarbeit. Dazu müssten auch
unpopuläre Maßnahmen wie die Einführung der Vermögenssteuer oder eines
Bildungssoli angepackt werden. Integrationsarbeit muss auch nach Überzeugung von
Ekin Deligöz nicht zwangsläufig von einem Integrationsbeauftragten getätigt
werden. Britta Schätzel sieht in einem solchen Amt außerdem die Gefahr einer
Alibifunktion. Weit aus mehr Kraft komme einem Gesamtkonzept mit Bildungsprojekten
und Beteiligungsstrukturen wie jenen der Sozialen Stadt in Rosenheim zu, zeigte
sie sich überzeugt.
Stadtrat ist gefordert
Angesichts der Nachhaltigkeit der hier angestoßenen und noch immer laufenden Projekte und Maßnahmen fehlt den Verantwortlichen in Rosenheim ein klares Bekenntnis des Stadtrates zum Forbestand ihrer Arbeit. „Alle unsere Projekte stehen auf festen Beinen, es gibt eine klare Strategie, feste Organisationsstrukturen, eine koordinierende Geschäftsstelle und Arbeitsrichtlinien. Nun ist der Stadtrat gefordert“, so Britta Schätzel. Diese Ansicht unterstützen auch die grünen Stadträte Karl-Heinz Brauner und Regina Georg. Die Stadt habe die Projekte der Sozialen Stadt bisher auch mit eigenen Mitteln gefördert, berichtete Britta Schätzel. Im Bildungsbereich kommen etwa 40 Prozent der Mittel für Nachhilfe und Hausaufgabenbetreuung aus Fördertöpfen des Kulturamtes der Stadt, betonte sie. Fest steht jedoch auch, dass die Zukunft des Bund-Länder-Förderprogramms Soziale Stadt ungewiss ist, bedauerte die Grünen-Abgeordnete Deligöz. Während sich einige Fördertöpfe geschlossen haben, öffnen sich jedoch wieder neue - etwa über die Arbeitsagenturen oder den Sozialfonds Europa, machte der Gast aus dem politischen Berlin den Beteiligten an der Gesprächsrunde Mut. Die Chance zum Weiterarbeiten dürfe sich Rosenheim nicht nehmen lassen, forderten alle Projektbeteiligten angesichts der nachhaltigen Erfolge der Sozialen Stadt. Re
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Soziale Stadt Rosenheim, An der Burgermühle 10, 83022 Rosenheim
Britta Schätzel, Tel. 08031-23131-80
Dieterle + Partner, Kommunikationsmanagement
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