01.07.2010 / Nachgefragt: Interview mit Dagmar Dieterle

Cross-medial denken und handeln

Der Run um das kostbare Gut Aufmerksamkeit

Rosenheim – „Online-Medien sind längst auf Augenhöhe von Printmedien und kein bloßes Anhängsel mehr. Hier spielt heute und erst recht morgen die Musik“, betont Dagmar Dieterle. Wie PR Dienstleister auf diese und die Herausforderungen durch soziale Netzwerke reagieren, erläutert sie im Interview.

Die Kommunikationsagentur Dieterle + Partner feiert 2010 ihr 25jähriges Bestehen. Ein Jubiläum, das jedoch kaum Zeit zum Zurückblicken bietet, denn der Siegeszug der digitalen Kommunikation erfordert – wieder einmal - eine Neuausrichtung der Kommunikationsarbeit. Dagmar Dieterle und ihr Team haben diese Herausforderung angenommen. „Online-Medien sind längst auf Augenhöhe von Printmedien und kein bloßes Anhängsel mehr. Hier spielt heute und erst recht morgen die Musik“, betont Dagmar Dieterle. Wie PR Dienstleister auf diese und die Herausforderungen durch soziale Netzwerke reagieren, erläutert sie im Interview.

Agenturinhaberin Dagmar Dieterle
Wo stellen Sie die stärksten Veränderungen fest?

Dagmar Dieterle: „In erster Linie natürlich im B-to-C-Bereich. Hier haben wir es mit einer grundlegend veränderten Medienlandschaft zu tun. Etablierte Print-Magazine verschwinden oder reduzieren ihr redaktionelles Umfeld, gleichzeitig entstehen im Netz täglich neue Online- Magazine, Communities etc. Verlage und Medien verlagern ihre Veröffentlichungen in den Online-Bereich. Dort werden nicht länger Storys aus den Printredaktionen übernommen. Es werden eigenständige redaktionelle Beiträge recherchiert, unabhängige Kooperationen ausgehandelt und Plattformen aufgebaut. Der European Communication Monitor 2008 belegt den Bedeutungszuwachs der Online-PR beispielsweise mit folgenden Zahlen: Lag der Stellenwert der digitalen Kommunikation 2008 noch bei rund 60 Prozent, so steigt deren Bedeutung bis 2011 auf geschätzte 90 Prozent. Damit wird klar, wohin die Reise geht.“ 

Wie Kommunikationsdienstleister auf diese Veränderungen ein?

Dieterle: Nun, es ist ein grundsätzliches Umdenken notwendig. Im Netz findet ein Wettlauf statt, wer ist als erster mit einer Nachricht präsent. Alles geht rasant, da alle Teilnehmer Nachrichten und Informationen in Echtzeit erhalten können bzw. auf diese Zugriff haben (können). Für uns als Kommunikateure besteht darin allerdings auch eine Chance, indem wir unsere Partner in den Redaktionen mit zusätzlichen Informationen versorgen, die eben nicht allen sofort zugänglich sind. Die digitalen Meinungsmärkte haben noch viel Potential. Jetzt gilt es Kompetenz aufzubauen, um den Anschluss nicht zu verlieren.“

Wie wirkt sich dies auf die konkrete Arbeit aus?

Dieterle: „Um hier mitzuhalten, sind folgende Dinge wichtig: Berater benötigen eine hohe Netz-Affinität und Online-Kompetenz. Sie müssen den vielschichtigen Online-Medienmarkt bestens kennen und für Kunden relevante Möglichkeiten herausfinden und bewerten können. Das geht nicht ohne Kenntnisse über neueste technische Entwicklungen. Außerdem steht fest: Die Grenzen zwischen Public Relations, klassischer Werbung, Marketing und virtueller Kommunikation werden zunehmend fließend. Deshalb heißt es: cross-medial denken und handeln. Cross-mediale Vernetzung aller Kommunikationsmaßnahmen ist einer der wichtigsten strategischen Ansätze, um Kunden am Ende des Tages einen kommunikativen Mehrwert zu bieten. Außerdem gilt es, auf neue Kommunikationsformen und –instrumente wie Bloggen und Twittern zu reagieren, die neben „klassischer“ Kommunikationsarbeit einen neuen Kommunikationskanal darstellen.“

Wie kann die Botschaft am besten untergebracht werden?

Dieterle: „Nun, es geht immer mehr um die knappe Ressource Aufmerksamkeit. Mehr online-Kommunikation heißt leider noch lange nicht, mehr Möglichkeiten. Im Gegenteil: je mehr Personen sich an den Kommunikationsprozessen beteiligen und teilweise ihre eigenen Blogs unterhalten, desto unübersichtlicher wird es. Die Orientierungslosigkeit wird noch zunehmen, ich denke, es könnte sogar zu einem Kommunikationskollaps kommen. Infolgedessen entziehen sich einige Unternehmen dem „Massen-Kommunikationsprozess“ und setzen stattdessen auf Selektion, Qualität und persönliche Kontakte. Schon heute stellen wir fest, wie angenehm überrascht Menschen auf einen Telefonanruf, einen persönlichen Brief, ein Treffen unter vier Augen reagieren, anstatt über Mail, Xing und facebook angesprochen zu werden.“

Was bedeutet dies für die Kommunikationsarbeit?

Dieterle:
„Dass wir unsere Informationen, Nachrichten und Botschaften nicht auf Verdacht streuen. Das Zuschütten mit virtueller Post wird als Belästigung empfunden. Genervt von der Fülle, landet vieles im virtuellen Papierkorb. Das Internet macht zum Beispiel die Pressearbeit einfacher, aber deshalb noch lange nicht effizienter. Wobei ich wieder bei meinem Lieblingsthema bin: Um nicht in der Informationsflut unterzugehen, benötigen PR-Dienstleister gute persönliche Kontakte – auch oder gerade zu Online-Medien. Es ist unabdingbar, genau zu differenzieren, welche Art von Information an welches Medium geht.“

Wie geht man am besten mit Blogs und Twitter um?

Dieterle:
„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die beiden Techniken viele Chancen bieten, aber in einer Vielzahl von Branchen bzw. kleineren Unternehmen aus naheliegenden Gründen (noch) nicht zum Einsatz kommen: Denken Sie allein an den personellen Aufwand. Gute Blogs benötigen Zeit und sollten regelmäßig geführt werden. Auch kontinuierliche Pressearbeit, in dem medien- sowie ziel- und zeitgerecht für das individuelle Medium zugearbeitet wird, scheitert häufig an Zeit und Personal. 

Wie schätzen Sie soziale Netze ein?

Dieterle:
„Je mehr Menschen in den sozialen Netzen unterwegs sind und sich zu Themen äußern, desto vielstimmiger wird alles, aber noch lange nicht richtiger. Auch hier ist Orientierung notwendig. Wer ist die Quelle, woher kommt die Meinung? Auf diese Fragen müssen Antworten gefunden werden. Deshalb gilt: Wer professionell im Netzt aktiv ist, muss sich zur Transparenz bekennen und eine Absenderkennung vorsehen. Dies gilt vor allem für Bereiche, in denen Anonymität einen Anreiz für Kommunikation darstellt und Verkürzung und Polarisierung von Inhalten zur Grundcharakteristik gehört.“

Was halten Sie von Corporate-Blogs?

Dieterle:
„Das ist eigentlich eine wunderbare Sache, wenn dafür kompetente Mitarbeiter die Zeit zur Verfügung gestellt bekommen, um dieses Medium zu bedienen. Es handelt sich dabei um nicht mehr oder weniger als einen zusätzlichen Kanal zur Kommunikation mit Lieferanten, Kunden, Öffentlichkeit allgemein, der allerdings etwas anderen Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Eben den Gesetzmäßigkeiten des Netzes. Jeder, der Blogs aktiv nutzt und dies im Auftrag oder als Teil einer organisierten Kommunikation tut, sollte seine Identität transparent machen. Ist er im Auftrag eines Unternehmens oder einer Organisation aktiv, so muss der Auftraggeber genannt werden. Vermittlung von Inhalten ohne entsprechende Kennzeichnung ist nicht akzeptabel.“

Wie kann beurteilt werden, ob sich eine Online-Plattform für die Unternehmenskommunikation eignet?

Dieterle:
„Generell kritisch ist alles zu beurteilen, wo von vorneherein die Geschäftsmodelle „redaktionelles Angebot“ und „gekauftem Inhalt“ zusammenfließen. Solche Plattformen arbeiten bewusst damit, dass Nutzer nicht oder nur schwerlich zwischen redaktionellem und gekauftem Inhalt unterscheiden können und damit gekauften Inhalt für redaktionell halten. PR-Profis sollten sich solcher Plattformen nicht bedienen. Konkret: Blogger, die von Unternehmen durch Produktzusendungen zur Berichterstattung veranlasst werden, müssen diesen Hintergrund, falls eine Berichterstattung oder Produktbewertung erfolgt, kennzeichnen. Bewertungssysteme müssen es möglich machen, private oder professionelle Äußerungen zu kennzeichnen. Kann eine klare Trennung nicht erfolgen, so besteht die Notwendigkeit der Kennzeichnung der einzelnen Veröffentlichungen.“

25 Jahre Dieterle + Partner: Jubiläum einer Netzwerkerin

Als Dagmar Dieterle 1995 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte, konnte sie bereits auf eine langjährige Erfahrung in der Kommunikationsarbeit bei den Papierwerken Waldhoff Aschaffenburg (PWA) zurückblicken. Dabei kommt die PR-Frau eigentlich aus der produzierenden Industrie: Dagmar Dieterle hat zuerst Holztechnik studiert, danach folgte neben ihrer Arbeit als Leiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der PWA ein Studium der Wirtschaftswissenschaften.

Bis heute steht die Spezialisierung auf technische Branchen im Fokus der Beratungstätigkeit: Die Dienstleister betreuen Unternehmen aus der Investitionsgüter- und Konsumgüterindustrie, aus der Bau- und Holzbranche, in erster Linie inhabergeführte mittelständische Unternehmen. Einen weiteren Schwerpunkt bilden Verlage, Verbände und Dienstleister. Die Kunden stammen aus Deutschland und Europa. Die räumliche Nähe von Agentur und Kunde ist heute nicht mehr entscheidend. Dieterle + Partner operieren sowohl als externe PR- und Pressestelle für Unternehmen wie auch als Partner firmeninterner Kommunikationsabteilungen. Sie bieten effiziente und kreative Dienstleistungen an, verstehen sich als aktiver Impulsgeber. Dagmar Dieterle und ihr Team beraten, entwickeln Konzepte, setzen individuell geschnürte Maßnahmenpakete um. Und sie führen ihre Kunden durch den immer dichter werdenden Dschungel der digitalen Kommunikation, stellen sicher, dass die Botschaften der Kunden ankommen und in der Informationsflut nicht untergehen. Dagmar Dieterle ist außerdem eine engagierte Netzwerkerin: Ihre Agentur arbeitet mit Wissenschaftlern, Journalisten, Marketing- und Werbefachleuten, Webdesignern, ITSpezialisten, Graphikern und Illustratoren zusammen. Diese gute Vernetzung garantiert weitreichende Kontakte – und die Bewahrung der Flexibilität, die es einer kleineren Agentur ermöglicht, agil, effizient und kostengünstig zu arbeiten.

Weitere Informationen:

Dieterle + Partner, Kommunikationsmanagement
An der Burgermühle 4, 83022 Rosenheim
Tel. 08031/88 737-99, Fax 08031/88 737-97
info@dieterle-partner.de, www.dieterle-partner.de
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